HOF CHUR (BISCHÖFLICHE PFALZBURG)
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Quelle: Poeschel Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. VII: Chur und der Kreis Fünf Dörfer | Basel, 1948 | S. 18
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Allgemeine Informationen
Der Hof, ein weitläufiges Areal über der Churer Altstadt, beherbergte bereits in der Spätantike ein römisches Kastell und wurde wahrscheinlich im 5. Jhdt. zum Bischofssitz. In karolingischer oder ottonischer Zeit entstand hier eine Bischofspfalz, die sehr wahrscheinlich auch der Königsgastung diente. Sie wurde im frühen 13. Jhdt. zu einer grossen Pfalzburg ausgebaut. Durch zahlreiche Um- und Neubauten hat die Anlage ihren wehrhaften Charakter zwar weitgehend eingebüsst. Noch gut erhalten sind aber der mittelalterliche Torturm in der Westecke und der Marsöl-Turm auf der Nordseite.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 50’ 54.50“ N, 09° 32’ 06.60“ E
Höhe: 620 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 759.890 / 190.730
Kontaktdaten
Chur Tourismus | Bahnhofplatz 3 | CH-7001 Chur
Tel: +41 (0)81 252 18 18 | E-Mail: info@churtourismus.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Chur liegt im Rheintal an der Autobahn A13. Von der Ausfahrt Chur Süd der Kasernenstrasse in östlicher Richtung bis zur Brücke über die Plessur folgen, wo die Altstadt beginnt. Kostenpflichtige Parkplätze vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Der Hof über der befestigten Altstadt ist vom Bahnhof Chur aus zu Fuss gut erreichbar. Alternativ mit der Buslinie 3 in Richtung Meiersboden bis zur Haltestelle Hof fahren.
Wanderung zur Burg
Die ViaSett und der Jakobsweg Graubünden führen unterhalb des Hofs vorbei.
Öffnungszeiten
Die Befestigungsanlagen sind nur von aussen zu besichtigen. Chur Tourismus bietet verschiedene Führungen und Stadtrundgänge an unter:
chur.graubuenden.ch/de/planen-buchen/stadtfuehrungen
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
für Aussenbesichtigung möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Hof Chur
Quelle: gezeichnet nach diversen Vorlagen von O. Steimann, 2019
Historie
Spätantike und Frühmittelalter:
Der Hof von Chur liegt rund 25 Meter über der befestigten Altstadt und umfasst ein rund eine Hektare grosses, dreieckiges Areal. Hier befand sich im 4. Jhdt. eines von zwei Siedlungszentren des antiken «Curia» (neben dem Quartier Welschdörfli südlich der Plessur). Die wenigen archäologischen Erkenntnisse lassen vermuten, dass das Gelände bereits damals von einer Wehrmauer umgeben war, also ein grosses Kastell bildete.
Um 400 n.Chr. kam es zu einem Brand, der möglichersweise die ganze Anlage in Schutt und Asche legte. Über der Brandschicht wurden im frühen 5. Jhdt. Neubauten errichtet, darunter auch eine erste Kirche. Zu jener Zeit dürfte der Hof Bischofssitz geworden sein. Der erste gesicherte Träger dieses Amtes war der 451 erwähnte Asinio. Später geriet Chur unter den Einfluss der Victoriden, die im Frühmittelalter nicht nur die Bischöfe stellten, sondern mit dem Amt des Praeses auch die weltliche Herrschaft ausübten. Auch in dieser zweiten Besiedlungsphase war der Hof von einer Umfassungsmauer umgeben, bis er im späten 7. oder frühen 8. Jhdt. erneut einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel.

Die hochmittelalterliche Pfalzburg:
Der Wiederaufbau kurz nach 750 orientierte sich weiterhin an den spätantiken Strukturen. Das galt auch für die neue karolingische Bischofskirche. Das Königtum duldete nun allerdings kein mächtiges Dynastengeschlecht mehr an diesem wichtigen Ort, die Victoriden verloren ihre Macht. Insbesondere die Ottonen nutzten die Stadt im 10. Jhdt. häufig als Etappenort auf dem Weg über die Bündnerpässe. Kaiser Otto I. stattete Bischof Hartbert (951–ca. 972) mit umfangreichen Vollmachten und Besitztümern aus, darunter die Einkünfte des Zolls, den Königshof im Welschdörfli und die Hälfte der «civitas», worunter wohl das ummauerte Hofareal zu verstehen ist. Im Gegenzug musste der Bischof den Herrscher auf dessen Italienreisen jeweils in seiner Pfalz beherbergen.
Diese Bischofspfalz wird um 1200 erstmals als «antiquum palatium episcopi» (alter bischöflicher Palast) erwähnt. In jener Zeit entstand wahrscheinlich der neue Palas als Teil einer Kernburg in der Nordecke des Hofs. Zu dieser Anlage gehörte auch der noch heute bestehende Eckturm, «Marsöl» genannt. Mit seinen grossblockigen Bossenquadern ist er auf das frühe 13. Jhdt. zu datieren. Auf der südwestlichen Seite schloss der langgezogene Wohntrakt an. Er bildete zusammen mit der Domprobstei und weiteren Gebäuden die wehrhafte Front gegen die Stadt hin, die mit drei Flankierungstürmen versehen war, die möglicherweise auf römischen Vorgängern fussten. Endpunkt dieser Front bildet in der Westecke noch heute ein grosser, ebenfalls um 1200 errichteter Torturm, der seit dem Spätmittelalter eine bischöfliche Trinkstube beherbergt. Die Wehrbauten auf allen übrigen Seiten des Hofs sind weitgehend verschwunden und lassen sich nur aufgrund alter Ansichten rekonstruieren.

Veränderungen im 15. und 16. Jhdt.:
Der Bischof liess den Hof von einem Burgvogt verwalten, der 1373 erwähnt wird. Im Spätmittelalter kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen mit der aufstrebenden Stadt. 1422 verschaften sich die Bürger gewaltsam Zutritt zum Hof und mauerten dessen separaten Zugang zu, damit der Bischof stets durch die Stadt gehen musste. In den 1430er-Jahren kam es zu einer erneuten Belagerung, und auch 1451 besetzten die Gotteshausleute während der Schamserfehde die vom Kirchenfürsten heimlich verlassene Wehranlage.
Grössere Umbauarbeiten erfolgten unter Bischof Ortlieb von Brandis (1458-1491). Er liess neue Gewölbe, einen Treppenturm und eine neue Kapelle errichten. Weitere Veränderungen veranlasste Bischof Iter (1541-1549), der die Geschosse im Palas neu einteilen und die Domprobstei neu bauen liess. Noch längere Zeit eine Ruine blieb hingegen der Marsöl-Turm, der 1537 teilweise eingestürzt war.

Neubauten vom 17. bis zum 19. Jhdt.:
Am 15. November 1565 wurden Palas und Südtrakt durch einen Brand zerstört. Trotz Wiederaufbau war der Bischofssitz in einem verwahrlosten Zustand, als er ab 1640 gründlich erneuert wurde. 1661 kam es während den andauerenden Bauarbeiten zu einem Unglück: Eine Mauer stürzte ein und verletzte Bischof Johannes VI. (1636-1661) so schwer, dass er kurz darauf verstarb.
Einen umfassenden Neubau der Residenz liess schliesslich Bischof Benedikt von Rost (1728-1754) ausführen. Die Westfront wurde völlig umgestaltet und der dort stehende Flankierungsturm entfernt. Sein heutiges Aussehen erhielt das bischöfliche Schloss dann 1845, als man nach dem Abbruch der älteren Bauten einen neuen Osttrakt erstellte. Doch obwohl diese vielen Umbauten heute das Erscheinungsbild der Bischofsresidenz prägen, sind im Innern noch an einigen Stellen Bauteile erhalten, die in romanische und gotische Zeit zurückreichen.
Seit 2013 wird die Anlage für rund 30 Millionen Franken etappenweise saniert und modernisiert. Manche Innenräume sollen anschliessend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. aktuelle Medienberichte
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 271-274
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 283-287
  • Gairhos, Sebastian - Archäologische Untersuchungen zur spätrömischen zeit in Curia/Chur GR | In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Bd. 83 | Basel, 2000 | S. 95-147
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 31-37
  • Jecklin, Ursula (Red.) - Churer Stadtgeschichte, 2 Bde. | Chur, 1993
  • Pally, Brida / Seifert, Mathias - Chur, Hof, Bischöfliches Schloss, Südgarten | In: Archäologischer Dienst Graubünden (Hg.) - Archäologie Graubünden, Bd. 2 | Chur, 2015 | S. 183-184
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 180-182
  • Poeschel Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. VII: Chur und der Kreis Fünf Dörfer | Basel, 1948 | S. 205-232
  • Steimann, Oliver - Castrum, villa, palatium: Pfalzen und andere Aufenthaltsorte der Könige des Früh- und Hochmittelalters im Gebiet der heutigen Schweiz | Unveröff. Liz. Univ. Zürich | Zürich, 2000 | S. 114-116
  • Tischhauser, Ursina - Chur, Bischöfliches Schloss, Marsölturm: Graffiti und Rötelzeichnungen im Churer Diözesanarchiv | In: Archäologischer Dienst Graubünden / Denkmalpflege Graubünden (Hg.) - Jahresberichte 2007 | Haldenstein/Chur, 2008 | S. 83-95
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg | Basel, 1940 | S. 61-65
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