GROTTENBURG FRACSTEIN
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Allgemeine Informationen
Abenteuerlich gelegene Ruine einer Grottenburg mit Talsperre am Eingang zum Prättigau. Die 1338 erstmals erwähnte Anlage hatte bis in die Zeit der napoleonischen Kriege strategische Bedeutung. Sichtbar sind die noch hoch aufragenden Ruinen des Haupttrakts, eine Seitenmauer des Burgpfaffenhauses und geringe Spuren der einstigen Sperrmauer.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 58' 33.05" N, 09° 36' 54.02" E
Höhe: 640 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 765.580 / 205.050
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Landquart auf der Hauptstrasse in Richtung Prättigau bis zur Tankstelle bei Neu Ganda folgen. Hier die Hauptstrasse verlassen und auf der etwas weiter südlich verlaufenden alten Talstrasse weiter bis in die Mitte der Schlucht am Taleingang (Chlus) fahren. Parkmöglichkeiten am Strassenrand. In der bergseitigen Mauer gibt es einen kleinen Durchschlupf mit Treppenaufgang. Dahinter führt ein unmarkierter Pfad steil bergauf bis zum Fuss der Felswand und zur Burg.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Regelmässige Bahnverbindungen ab Landquart nach Seewis-Valzeina. Vom Bahnhof dem Wanderweg direkt nach Süden bis ans Ufer der Landquart folgen, dann weiter flussabwärts und auf der alten Landstrasse bis in die Mitte der Schlucht (siehe oben). Für den Weg benötigt man ca. 25 Minuten.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Fracstein
Quelle: Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 335 | bearbeitet von O. Steimann, 2009
Historie
Am Zugang zum Prättigau zwängt sich die Landquart durch eine enge Schlucht, «Chlus» genannt. Auf der nördlichen Talseite stehen unter einer überhängenden Felswand die Ruinen der Burg Fracstein, zu der einst eine Kirche und eine Talsperre gehörten. Verschiedene Felssprengungen haben die Schlucht verändert, doch lässt sich die Eignung des Platzes für eine Sperranlage heute noch gut erkennen.
Bauuntersuchungen haben gezeigt, dass die Anlage bereits im 11. oder 12. Jhdt. entstanden ist, im 13. Jhdt. aber umfassend erneuert wurde. Sie taucht 1338 erstmals in den mittelalterlichen Urkunden auf, als die Brüder Eberhardt und Ulrich von Aspermont die Erbgüter ihres Vetters Ulrich im Prättigau an Graf Friedrich V. von Toggenburg und den Vogt Ulrich von Matsch verkauften. Die Burg wird in der Urkunde «Fragenstein» genannt, später jedoch auch «Fragstein». Es lässt sich nicht mehr entscheiden, ob der Burgname von lat. «fractus» (gebrochen), von «fragen» oder gar von «aufragen» herzuleiten ist.

1344 teilten die Matscher und die Toggenburger den Besitz im Prättigau, beliessen Fracstein jedoch explizit unter gemeinsamer Verwaltung. Im Jahr darauf wird in einem anderen Dokument auch erstmals das «tor ze Fragenstein» erwähnt, womit der Durchgang in der Talsperre gemeint sein muss. Dessen Kontrolle scheint denn auch die Hauptfunktion der Burg gewesen zu sein, denn zugehörige Herrschaftsgüter oder -rechte werden nie erwähnt.
1436 starb mit Friedrich VII. der letzte Graf von Toggenburg, Fracstein ging nun gänzlich an die Ritter von Matsch über. 1466 verkauften diese die Burg an Habsburg-Österreich. Die Gebäude wurden nun nicht mehr unterhalten und zerfielen. Der Chronist Ulrich Campell bezeichnete die Anlage um 1570 als Ruine.

In den Bündner Wirren des 17. Jhdts. spielte Fracstein noch einmal eine Rolle: 1621 wurden bei der alten Talsperre neue Schanzen angelegt, und 1622 besetzte eine kleine österreichische Truppe die Burg, bis sie von den aufständischen Talleuten verjagt wurde. Im Oktober 1624 stellten die Prättigauer dann selbst für kurze Zeit eine Besatzung.
1649 kaufte sich der Prättigauer Sechsgerichte-Bund von Österreich los, Fracstein wurde damit Eigentum des Gerichtes von Schiers. Der gesamte Bund sorgte nun für den Unterhalt der Strasse und der «Schlossbrücke», die in der Schlucht die Landquart überquerte. Beim französischen Einmarsch von 1799 wurde die Talenge bei Fracstein vom Prättigauer Landsturm verteidigt. Dieser konnte die Stellung jedoch nicht halten.

Im 19. Jhdt. schritt der Zerfall von Burg und Talsperre rasch voran: Sie wurden durch den Bau einer Eisenbahnlinie und einer Strasse durch die Schlucht teilweise zerstört und dienten auch als Steinbruch. Trotzdem sind vor allem vom Haupttrakt der Grottenburg noch immer eindrückliche Reste zu sehen. Der rund 19 Meter lange Palas schmiegt sich eng an die Felswand, er umfasste einst drei Stockwerke und ein Dachgeschoss. Die Wasserversorgung erfolgte von oben her über hölzerne Rinnen. In der Ostwand ist in der zweiten Etage noch der alte Hocheingang erkennbar. Die Wohnräume befanden sich in der dritten Etage, die durch eine hölzerne Trennwand in zwei Räume unterteilt war. Diese Zimmer waren mit grossen Fenstern ausgestattet. Die Wände des östlichen Raums tragen noch heute Verputz, in welchem mittelalterliche Ritzzeichnungen gefunden wurden. Darunter befinden sich Burgdarstellungen und eine ganze Serie von Wappen regionaler Adelsgeschlechter.
80 Meter östlich des Wohntrakts findet man, ebenfalls direkt an der Felswand, die Ruine des Burgpfaffenhauses. Vom einst dreistöckigen Gebäude steht noch eine Wand aufrecht. Vermutlich entstand das Gebäude um 1500 an Stelle eines Vorläuferbaus. Nochmals 10 Meter weiter östlich stand einst die Kirche St. Aper, von der heute keine Spuren mehr erkennbar sind. Sie wird 1370 im Urbar des Domkapitels Chur erstmals erwähnt und wurde wahrscheinlich in der Reformationszeit aufgegeben.
Die Sperrmauer oder «Letzi» von Fracstein führte von der südöstlichen Ecke des Wohntrakts schräg über den Hang bis hinunter zur Landquart. Dort befand sich ein Torturm an der alten Landstrasse. 1916 waren noch letzte Reste dieses Gebäudes sichtbar, es mass im Grundriss etwa 6,5 x 6,5 Meter.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 336
  • Boscardin, Maria-Letizia - Die Grottenburg Fracstein und ihre Ritzzeichnungen | In: Boscardin, Maria-Letizia / Meyer, Werner - Burgenforschung in Graubünden [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 4.] | Olten/Freiburg i.Br., 1977 | S. 7-49
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 113-114
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 330-338
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 179-182
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 41-44
  • Högl, Lukas - Burgen im Fels [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 12] | Olten/Freiburg i.Br., 1986 | S. 60-62
  • Huber, J. - Die Höhlenburgen in Graubünden | In: Terra Grischuna, 40. Jhg./Nr. 4 | Chur, 1981 | S. 242-244
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 3: Kanton Graubünden (deutschsprachiger und romanischer Teil) | Zürich, 1983 | S. 26-27
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 266-268
  • Poeschel, Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. II: Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal | Basel, 1937 | S. 68
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg | Basel, 1940 | S. 27-31
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