BURG HOHENKLINGEN
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Allgemeine Informationen
Nahezu vollständig erhaltene mittelalterliche Höhenburg auf bewaldetem Hügel über dem Städtchen Stein am Rhein, am untersten Ende des Bodensees. Die kompakte Anlage besteht aus einem doppelten Torzwinger und einer ummauerten Kernburg mit Wohnturm, Palas und diversen Nebengebäuden. Erbaut wurde sie ab 1219 durch die Herren von Klingen, als Ersatz für eine ätere Holz- und Erdburg, die wahrschenlich den Herzögen von Zähringen gehört hatte.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 40’ 00.56“ N, 08° 51’ 29.99“ E
Höhe: 592 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 706.630 / 280.540
Kontaktdaten
Burg Hohenklingen | Hohenklingenstrasse 1 | CH-8260 Stein am Rhein
Tel: +41 (0)52 741 21 37 | E-Mail: info@burghohenklingen.com
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Schaffhausen auf der Hauptstrasse 13 in östlicher Richtung über Diessenhofen bis nach Stein am Rhein fahren. Ab der Altstadt am Nordufer ist die Zufahrt hinauf nach Hohenklingen gut ausgeschildert. Parkplätze unmittelbar vor der Burg.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Schaffhausen gelangt man per S-Bahn (Linie 8) oder Bus (Linie 1 oder 6) nach Stein am Rhein. Von der befestigten Altstadt am Nordufer des Rheins führt ein markierter Wanderweg in rund 30 Min. hinauf zur Burg.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag: 10:00 - 23:00 Uhr
Sonntag: 10:00 bis 18:00 Uhr
Von Mai bis September ist die Burg auch am Dienstag von 10:00 bis 23:00 geöffnet.
(Stand 2017)
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
Restaurant in der Burg. Siehe:
www.burghohenklingen.com
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich (Personenlift vom Parkplatz zum Burgrestaurant)
Bilder
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Grundriss
Grundriss Hohenklingen
Quelle: Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 5: Kantone Zürich und Schaffhausen | Zürich, 1982 | S. 92
Historie
Um 1007 veranlasste Kaiser Heinrich II. die Benediktinermöche vom Hohentwiel, sich bei der Mündung des Bodensees in den Hochrhein eine neue Niederlassung zu errichten. Das neue Kloster St. Georgen zu Stein am Rhein erhielt das Münz- und Marktrecht, wurde aber lehnsrechtlich dem Bistum Bamberg unterstellt. Rasch scheint sich der Ort zu einem befestigten Städtchen entwickelt zu haben, wie seine Erwähnung von 1094 als «munitio» zeigt.
Die Vogtei über den Klosterbesitz übten wahrscheinlich die Herzöge von Zähringen aus. Sie werden auch als Gründer der ersten Burg betrachtet, die im 11. oder 12. Jhdt. auf dem Höhenzug über Stein am Rhein entstand. Das Aussehen dieser Wehranlage konnte bis heute nur bruchstückhaft rekonstruiert werden. Es handelte sich um eine Holz- und Erdburg, die wahrscheinlich bereits über einen hölzernen Wohnturm verfügte. Einige der Balken fanden in späteren Bauphasen eine Zweitverwendung.

Die Freiherren von Klingen, deren Stammburg im thurgauischen Märstetten stand, amteten unter zähringischer Herrschaft in Stein offenbar als Untervögte. Jedenfalls wurde Walter von Klingen zusammen mit anderen Rittern um die Mitte des 12. Jhdts. vom Bischof ermahnt, die Güter des Klosters St. Georgen zu schützen. Nach dem Aussterben der Zähringer (1218) begann für die Freiherren ein steiler Aufstieg, denn Kaiser Friedrich II. übertrug ihnen die Kastvogtei über das Kloster St. Georgen und die hohe Gerichtsbarkeit in diesem Gebiet als erbliches Reichslehen.
Umgehend nahm die Familie nun den Bau eines neuen repräsentativen Wohnsitzes auf Hohenklingen in Angriff. Die Datierung von Bodenbalken im Palas zeigt, dass mit den Arbeiten bereits im Frühjahr 1219 begonnen wurde. Neben diesem Wohntrakt und einer Ringmauer entstand damals auch ein erster Steinturm im Ostteil der Anlage. Das Burgtor wurde 1226 fertiggestellt – damit war die neue Burg bezugsbereit.

Schon bald darauf erhielt die Anlage, die 1267 als «Clingen ob Stain» erstmals in den Schriftquellen auftaucht, ihre heutige Gestalt. Der schlecht fundierte und daher instabile Turm wurde bereits wieder abgebrochen und um die Mitte des 13. Jhdts. durch den noch heute erhaltenen Neubau ersetzt. Dieser misst im Grundriss 9,9 x 10 Meter und verfügt über einen Hocheingang auf der Südseite, 8,5 Meter über Boden. Die Ausstattung der Innenräume ist noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Entlang der nördlichen Ringmauer entstanden weitere Gebäude, darunter auch eine Burgkapelle. Die Wasserversorgung wurde durch eine 4,5 Meter tiefe Filterzisterne im östlichen Burghof sichergestellt, die bis 1909 in Betrieb war.

Nach einer Teilung der Familie erhielt ein Zweig der Klingener die Kastvogtei samt der Burg. Diessen Vertreter nannten sich ab 1327 «von Hohenklingen» und hatten umfassende Rechte über das Städtchen Stein, dessen Markt, Zoll und Verkehrswege in ihrer Hand. Verschiedentlich kam es deswegen zu Streitereien mit dem Abt als dem eigentlichen Stadtherrn. Zu Beginn des 14. Jhdts. teilte sich die Familie erneut in die Zweige Hohenklingen-Bechburg und Hohenklingen-Brandis. Letzterer erhielt dank starker Anlehnung an Habsburg-Österreich mehrfach das Landrichteramt im Thurgau zugesprochen. Da sie ihren Herren auch in diverse Kriege folgten, gerieten die Hohenklingen jedoch bald in Geldnot. 1359 verkauften die Brüder Walter und Ulrich von Hohenklingen-Brandis ihre Anteile an der Herrschaft an Österreich, wobei Ulrich diese umgehend als Lehen zurückbekam. Die Linie Hohenklingen-Bechburg war noch im Besitz der halben Herrschaft, konnte aber die andere Hälfte als österreichisches Pfand wieder an sich bringen. Als 1394 auch noch die Hauptlinie der Herren von Klingen im Thurgau ausstarb, wurde Walter von Hohenklingen plötzlich Herr über weitverstreute Güter bis in die Gegend von Zürich und Baden.
1423 wurde die Burg mit einer Aufstockung des Palas ein letztes Mal vergrössert. Doch nun ging es mit beiden Linien der Herren von Hohenklingen ökonomisch rasch bergab. Was ihnen von der Herrschaft noch zu Eigen war, verkauften die Hohenklingen-Brandis 1419 an Kaspar von Klingenberg. Ulrich XI. von Hohenklingen-Bechburg tat 1433 das Gleiche, behielt nur wenige Güter für sich und zog von der Burg in eine Turmwohnung in Stein am Rhein um. Mit ihm starb die Familie um 1445 aus.

Die Herren von Klingenberg kamen ursprünglich aus derselben Gegend wie die Herren von Klingen und waren von einfachen Dienstleuten zu einem einflussreichen Adelsgeschlecht aufgestiegen. Ihr Hauptsitz war im 15. Jhdt. der Hohentwiel, auf Hohenklingen setzten sie 1433 zunächst einen Verwalter ein. Bald darauf nahm aber ein Familienangehöriger auf der Burg Wohnsitz, bis der allgemeine Niedergang des Adels auch diese Familie erfasste. 1457 mussten sie die Herrschaft Hohenklingen samt der österreichischen Pfandschaft verkaufen. Die Stadt Stein selbst trat als Käufer auf, erwarb Burg und Herrschaft für die enorme Summe von 24’500 Gulden, wurde somit reichsfrei und paradoxerweise gleichzeitig Vogt des eigenen Stadtherrn, des Klosters St. Georgen. Die starke österreichische Partei in der Stadt versuchte bald einen politischen Umsturz, worauf sich das Städtchen stark an Zürich anzulehnen begann. 1484 wurde den Zürchern zugesichert, dass ihnen Stadt und Burg im Kriegsfall offen stehen würden.
Zürich nahm bald die Kastvogtei über das Kloster an sich und löste dieses in der Reformationszeit ganz auf. Die Burg hingegen wurde 1499 ins Netz der Hochwachten einbezogen und in Kriegszeiten jeweils mit einer starken Mannschaft besetzt. Im 16. Jhdt. erhielt sie einen doppelten Torzwinger auf der Südseite und im Innern ein Haus für den Hochwächter. Zudem wurde sowohl im Turm als auch im Obergaden des Palas je eine Geschützstellung eingerichtet. Noch 1784, als sich die Stadt Stein wegen der Frage der Söldnerwerbung mit Zürich zerstritten hatte, besetzte die Limmatstadt kurzerhand Hohenklingen und Stein mit 800 Soldaten.

Die Revolutionszeit ging an Hohenklingen praktisch spurlos vorüber. Die Herrschaft wurde schliesslich dem Kanton Schaffhausen zugesprochen, der die Hochwacht auf der Burg 1838 aufhob. Die nicht mehr benützte Anlage wurde weiterhin notdürftig unterhalten. Einem Versuch, sie in eine Kuranstalt zu verwandeln, war kein Erfolg beschieden. Mit der Einrichtung einer Gastwirtschaft im Jahr 1865 wurde die Burg jedoch zu einem der beliebtesten Ausflugsziele am unteren Bodensee.
1895 bis 1897 wurde die Anlage erstmals vollumfänglich restauriert. Die neusten Sanierungsarbeiten dauerten von 2005 bis 2007 und brachten eine moderne touristische Erschliessung – insbesondere durch den Anbau eines Liftschachts auf der Nordseite. Begleitet wurden diese Arbeiten durch eine gründliche bauhistorische Untersuchung.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln auf der Burg
Literatur
  • Bänteli, Kurt et al. - Hohenklingen ob Stein am Rhein, 2 Bde. [Schaffhauser Archäologie, Bd. 8/9] | Schaffhausen, 2010
  • Bänteli, Kurt - Hohenklingen ob Stein am Rhein: Juwel der schweizerisch-süddeutschen Burgenlandschaft | In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Bd. 20 | Paderborn, 2008 | S. 197-210
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 2 | Neuenburg, 1966 | S. 102-104
  • Bitterli, Thomas / Losse, Michael - Burgen und Schlösser am Hochrhein | Lörrach, 2012 | S. 12-13
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 515
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 235
  • Frauenfelder, Reinhard - Die Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen, Bd. II: Der Bezirk Stein am Rhein | Basel, 1958 | S. 304-318
  • Guisolan, Michel / Sigg, Roman - Stein am Rhein [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 932/933] | 3. veränd. Aufl. | Bern, 2013 | S. 74-77
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 4: Zürich, Schaffhausen | Kreuzlingen, 1968 | S. 154-156
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 237
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 5: Kantone Zürich und Schaffhausen | Zürich, 1982 | S. 91-93
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 292-293
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 79-80
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