KYBURG
 Weltweit | Europa | Schweiz | Kanton Zürich | Bezirk Pfäffikon | Illnau-Effretikon

Klicken Sie in das Bild, um es in voller Größe ansehen zu können!
Allgemeine Informationen
Bekannteste und am besten erhaltene Burganlage im Kanton Zürich, mit begehbarem Bergfried, Palas, Ritterhaus, sehenwerter Burgkapelle und zahlreichen weiteren Bauten. Eine erste Anlage der Grafen von Winterthur wurde 1027 durch Kaiser Konrad II. zerstört, später wurde die Burg Stammsitz der Grafen von Dillingen-Kyburg und beherbergte unter den Habsburgern gar für kurze Zeit die Reichskleinodien. Vom 15. Jhdt. bis 1798 Sitz von Zürcher Landvögten, heute Museum.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 27' 30.26" N, 08° 44' 36.08" E
Höhe: 636 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 698.380 / 257.220
Kontaktdaten
Museum Schloss Kyburg | Schloss 1 | CH-8314 Kyburg
Tel: +41 (0)52 232 46 64 | E-Mail: museum@schlosskyburg.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Kyburg und das gleichnamige Dorf liegen auf einem Geländesporn über dem Tösstal, rund 4 km südlich von Winterthur. Die Autobahn A1 (Zürich-Winterthur) bei der Ausfahrt Kemptthal verlassen und anschliessend via Kemptthal und Ottikon hinauf nach Kyburg. Grosser Parkplatz am Dorfeingang.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Zürich oder Winterthur mit der S-Bahn (diverse Linien) nach Effretikon, ab dort weiter mit der Buslinie 655 bis zur Endhaltestelle Kyburg, Gemeindehaus.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
April bis Oktober: Di bis So 10:00 - 17:30 Uhr
an Feiertagen in diesen Monaten geöffnet
Diverse Räume der Burg können für Privatanlässe gemietet werden.
Eintrittspreise
Erwachsene: 9 CHF
Kinder: 4 CHF
(Stand 2016)
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
Das ausgezeichnete Burgmuseum bietet zahlreiche kindergerechte, interaktive Stationen und ist deshalb auch für Familien sehr empfehlenswert.
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Zugang zum Burghof möglich
Bilder
Klicken Sie in das jeweilige Bild, um es in voller Größe ansehen zu können!
Grundriss
Grundriss Kyburg
Quelle: Wild, Werner - Die mittelalterlichen Bauten auf der Kyburg, Kanton Zürich: Eine Bestandesaufnahme mit neuen Erkenntnissen | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 8. Jhg./Nr. 3 | Basel, 2003 | S. 64 | überarbeitet und Bauphasen eingefügt von O. Steimann, 2009
Historie
1027 kämpfte Kaiser Konrad II. gegen den aufständischen Herzog Ernst II. von Schwaben und dessen Anhänger. Einer davon war Graf Werner von Winterthur, dessen Festung «Chuigeburch» der Kaiser gemäss den St. Galler Annalen im August belagerte und zerstörte. Der Name wird in der Forschung allgemein von «Chüeburg» (Kuhburg) abgeleitet, was auf eine frühe Fluchtburg hindeutet. Ob die beiden Burggräben, die den Geländesporn der Kyburg gegen Süden hin sichern, auf diese Zeit zurückgehen, ist nicht geklärt. Bei einer Sondierung 1960 wurde lediglich festgestellt, dass der innere Graben einst über 5 Meter tiefer war als heute.

Durch die Heirat mit Werners Enkeltochter Adelheid von Winterthur erlangte Graf Hartmann I. von Dillingen zahlreiche Güter in der Nordschweiz und baute die Kyburg als Herrschaftszentrum weiter aus. Im Investiturstreit, als er auf Seiten der Papstanhänger focht, wurde sie 1079 jedoch erneut zerstört. Der Wiederaufbau muss bald erfolgt sein, denn die Burg wurde nun zum namengebenden neuen Stammsitz des aufstrebenden Geschlechts der Dillinger: Ab 1096 nannten sie sich Grafen von Kyburg. Unter den Staufern gehörten sie zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern in Schwaben und Burgund, denn 1173 fielen ihnen grosse Teile der lenzburgischen Erbschaft zu und 1218 erbten sie sogar die südrheinischen Besitzungen der Herzöge von Zähringen.
Die bauliche Entwicklung der Burg hielt offenbar Schritt mit dem Aufstieg ihrer Besitzer. Um 1200 wurde mit dem Bau des Bergfrieds begonnen - einem im Grundriss 7,6 x 7,3 Meter messenden Turm aus Sandstein-Buckelquadern mit bis zu 2,9 Meter dicken Mauern. Ebenfalls im späten 12. oder frühen 13. Jhdt. entstanden der Palas, die Ringmauer und die Burgkapelle. An Stelle des späteren Ritterhauses stand zu jener Zeit ein turmartiger Bau, weitere hochmittelalterliche Steinbauten wurden auf der Nordseite nachgewiesen. Auf der exponierten Südseite wurde in einer weiteren Bauphase eine 2,5 Meter dicke Schildmauer errichtet. Für die Wasserversorgung sorgte ein 15 Meter tiefer Sodbrunnen im Burghof. Mit dem Ausbau der Burg entstand in ihrem südlichen Vorgelände eine mit zwei Gräben befestigte Siedlung, die 1261 als «suburbium» bezeichnet wird. Sie bildet noch heute den Kern des Dorfes Kyburg.

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht starben die Kyburger mit Graf Hartmann IV. 1264 aus. Als Haupterbe setzte sich Graf Rudolf IV. von Habsburg, der spätere König, durch, da seine Mutter eine Kyburgerin war. Die kyburgische Erbtochter Anna verheiratete er mit seinem Vetter Eberhard, der so zum Begründer der Grafenfamilie von Neu-Kyburg wurde, die bis 1419 existierte. Rudolf weilte gelegentlich auf der Kyburg, und nach seiner Wahl zum deutschen König (1273) wurden wahrscheinlich zeitweilig die Reichskleinodien hier aufbewahrt. Die Siedlung in der Vorburg erhielt im 14. Jhdt. städtische Privilegien, während die Burg und die zugehörige Herrschaft fortan von habsburgischen Vögten verwaltet wurden. Als solche sind nacheinander die Herren von Seen, von Baldegg, von Frauenfeld, von Landenberg, von Goldenberg, Gessler und Thumb bezeugt. 1384 verpfändeten die Habsburger die Kyburg schliesslich an die Grafen von Toggenburg.
Unter habsburgischer Herrschaft wurde die Burganlage deutlich verändert. Der turmartige Bau im Süden wurde abgebrochen und durch einen neuen Wohntrakt ersetzt. Auch die nördliche Ringmauer und das innere Burgtor gehen auf jene Epoche zurück.

Im Appenzellerkrieg soll die Kyburg 1407 zwischenzeitlich den Schwyzern in die Hände gefallen sein, doch die Pfandrechte gehörten noch Kunigunde von Toggenburg. Als 1415 König Sigismund die Reichsacht über den Herzog von Österreich verhängte, wurde die Grafschaft ein Reichslehen. Nach langem Handeln entrichtete die Stadt Zürich 1424 dem König 600 Dukaten und Kunigunde von Toggenburg 8750 Gulden – die Kyburg wurde damit Zürcherisch. Der erste Zürcher Landvogt, Johannes Schwend der Alte, setzte die heruntergekommene Burg wieder in Stand. Doch bereits 1442, im Alten Zürichkrieg, gab die Stadt die Festung an Österreich zurück, um mit den Habsburgern ein Bündnis eingehen zu können. Die gegnerischen Eidgenossen brannten derweil das Burgstädtchen nieder, konnten die Kyburg selbst aber nicht einnehmen. Nach dem Krieg kam sie 1452 als Pfand im Wert von 17'000 Gulden erneut an Zürich, in dessen Besitz sie nun verblieb. Bis 1798 residierten Landvögte auf der Burg.
Im 15. Jhdt. erfuhr die Kyburg nochmals deutliche Veränderungen. Der obere Teil des Bergfrieds wurde neu aufgebaut, die Kapelle wurde umgestaltet und mit Fresken verziert, und auch das Ritterhaus erhielt erst jetzt seine heutige Form. Um 1500 entsprach das Bauvolumen der Burg ungefähr den heutigen Ausmassen, nur das äussere Burgtor, der Torzwinger und der Röhrenbrunnen im Hof wurden erst 1579 angelegt. Auch die Innenräume der Burg wurden durch die Landvögte immer wieder den Erfordernissen ihrer Zeit angepasst.

Die Landvogtei endete mit der Helvetischen Revolution von 1798. Im März besetzten aufständische Bauern die Kyburg und plünderten sie, gewährten dem Vogt Hans Caspar Ulrich aber freien Abzug. Die Burg stand nun verlassen und verwahrloste, bis sie 1816 Sitz eines Oberamtmanns wurde. 1832 verkaufte Zürich die Anlage für 10'600 Franken an einen Wirt aus Winterthur, der sie abbrechen wollte. Dies konnte glücklicherweise verhindert werden, und die nächsten Besitzer bewohnten die Burg wieder: Der polnische Graf Alexander Sobansky und ab 1865 der Kunstsammler Mathäus Pfau. Eine durchgehende Renovation erfuhr die Kyburg unter ihrem letzten privaten Besitzer Eduard Bodmer Thomann. Von seinen Erben konnte der Kanton Zürich 1917 die schönste mittelalterliche Anlage in seinem Gebiet für 150'000 Franken zurückkaufen. Nun wurde ein beim Publikum sehr beliebtes Burgmuseum eingerichtet, 1925-1927 folgten weitere bauliche Erneuerungsarbeiten. Die letzte Gesamtrenovation wurde 1989-1999 vorgenommen, das Museum dabei durchgehend modernisiert. Begleitende Untersuchungen ergaben zudem wichtige Aufschlüsse zur Baugeschichte der Burg.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 1 | Neuenburg, o.J. | S. 94-95
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 804
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 136-138
  • Gubler, Hans Martin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Bd. III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster | Basel, 1978 | S. 157-194
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 4: Zürich, Schaffhausen | Kreuzlingen, 1968 | S. 72-78
  • Largiadèr, Anton - Die Kyburg | Zürich, o.J.
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 225-226
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Band 5: Kantone Zürich und Schaffhausen | Zürich, 1982 | S. 59-70
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 284-287
  • Museum Schloss Kyburg (Hg.) - Zeitspuren: 800 Jahre Leben auf der Kyburg | Kyburg, 1999
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 123-124
  • Stauber, Emil - Zürcherische Burgen | Zürich, 1918 | S. 2-4
  • Wild, Werner - Die mittelalterlichen Bauten auf der Kyburg, Kanton Zürich: Eine Bestandesaufnahme mit neuen Erkenntnissen | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 8. Jhg./Nr. 3 | Basel, 2003 | S. 61-98
  • Zeller-Werdmüller, Heinrich - Zürcherische Burgen | In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 48./49. Jhrg. | Zürich, 1894-1895 | S. 327-333
  • Zürcher Denkmalpflege - 2. Bericht: 1960-1961 | Zürich, 1964 | S. 51-52
  • Zürcher Kantonsarchäologie - 15. Bericht: Archäologie im Kanton Zürich 1997-1998 | Zürich, 2000 | S. 21-22
Webseiten mit weiterführenden Informationen
zurück nach oben | zurück zur letzten besuchten Seite Download diese Seite als PDF-Datei
Alle Angaben ohne Gewähr! | Die Bilder auf dieser Webseite unterliegen dem Urheberrecht! | Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.09.2016 [OS]