BURG OBER-MAGGENBERG
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Allgemeine Informationen
Ruine einer einst ausgedehnten Wehranlage auf einem Geländesporn hoch über der Senseschlucht. Sichtbar sind noch das ausgedehnte Grabensystem, der Turmstumpf des Bergfrieds und ein tiefer Zisternenschacht. Die Burg entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jhdts. als jüngerer Sitz der Ritter von Maggenberg. Um 1387 soll sie von den Bernern zerstört worden sein, endgültig aufgegeben wurde sie spätestens im 15. Jhdt.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 47’ 00.30“ N, 07° 18’ 03.70“ E
Höhe: 887 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 589.490 / 181.370
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Von Fribourg auf der Route de Tavel in östlicher Richtung bis nach Tafers fahren. Ab hier auf der Hauptstrasse in südöstlicher Richtung weiter über Alterswil bis zum Weiler Wengliswil. Unmittelbar nach Wengliswil links in ein Strässchen zum Hof Ober-Maggenberg abbiegen. Kurz vor dem Hof zweigt in östlicher Richtung der markierte Weg zur Burgruine ab (Parkmöglichkeiten vor Ort).
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Fribourg mit der Buslinie 123 (in Richtung Schwarzsee) bis nach Wengliswil fahren. Hier dem Strässchen in nordöstlicher Richtung über die Höfe Zelg und Chäli bis zum Weiler Ober-Maggenberg folgen, von wo ein ausgeschilderter Wanderweg in wenigen Schritten zur Burg führt (Zustieg insgesamt ca. 40 Min.).
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Ober-Maggenberg
Quelle: gezeichnet von O. Steimann nach eigenen Beobachtungen, 2020
Historie
Seit der Gründung von Freiburg im Üechtland durch die Herzöge von Zähringen im Jahr 1157 taucht unter den einflussreichsten Bürgern immer wieder die Familie de Montmacon bzw. von Maggenberg auf. Bereits ihr erster bekannte Vertreter, Ulrich I. von Maggenberg, wird in wichtigen Rechtsgeschäften als Zeuge erwähnt. Unweit östlich von Freiburg befand sich beim Dorf Tafers auf einem Hügel die Burg Nieder-Maggenberg, die wohl der Stammsitz der Familie war.
Die Maggenberger waren Vasallen der Herzöge von Zähringen und dienten später deren Rechtsnachfolgern, den Grafen von Kyburg. Als um die Mitte des 13. Jhdts. die Königsherrschaft der Hohenstaufen zusammenbrach, entbrannte um die Gebiete der heutigen Westschweiz ein Machtkampf zwischen den Kyburgern und den Grafen von Savoyen. Die Maggenberger hielten treu zu den Kyburgern und später auch zu deren Rechtsnachfolger, Graf Rudolf von Habsburg. Gleichzeitig besetzten zwischen 1261 und 1357 nicht weniger als fünf Vertreter der Familie das Amt des Schultheissen von Freiburg.

Ritter Ulrich II. von Maggenberg amtete quasi als rechte Hand Rudolfs von Habsburg in der Westschweiz und führte rund 30 Jahre lang für diesen Krieg mit Savoyen. Er kommandierte die freiburgischen Truppen bei der Belagerung der Stadt durch die Savoyer 1266/67 und unterstützte den mittlerweile zum König aufgestiegenen Rudolf auch bei den Belagerungen von Bern und Payerne. Selbst 1298 ist er noch als Anführer in zwei Gefechten vermerkt. Seitens der Habsburger wurden diese Leistungen reich belohnt: Ulrich II. wurde unter anderem Burgherr zu Laupen, Reichskastellan zu Gümmenen und erhielt die Reichsvogtei über die zur Festung Grasburg zählenden Güter westlich der Sense, darunter auch Alterswil.

Die alte Burg bei Tafers scheint der neuen Bedeutung der Ritterfamilie nun nicht mehr gerecht geworden zu sein. Ulrich II. war es wohl, der inmitten der neu erworbenen Herrschaft an der Sense um 1270 die Burg Ober-Maggenberg erbaute. Ob auf dem markanten Felskopf bereits eine Vorgängeranlage gestanden hatte, ist unklar. Die neue Burg war bergseits durch doppelte Gräben geschützt, die Kernanlage verteilte sich auf zwei Plateaus. Auf dem östlichen steht noch heute der Bergfried mit 8,2 Metern Seitenlänge und rund 2 Meter dicken Grundmauern. Etwas weiter nordöstlich findet man zudem einen breiten, 17 Meter tiefen Zisternenschacht. Auf dem westlichen Teil des Burgareals erhoben sich der Palas und weitere Gebäude, von denen heute jedoch nichts mehr erkennbar ist. Nördlich davon erstreckt sich ein drittes, grösseres Plateau. Hier wird die einstige Vorburg vermutet.

Ulrich II. starb um 1300, und sein Sohn Johann I. von Maggenberg folgte ihm in seiner Herrschaft nach. Auch Johann war Schultheiss von Freiburg und starb in dieser Funktion als Truppenführer in der Schlacht von Laupen 1339. Nun setzte der rasche Niedergang der Familie ein. Zahlreiche Güter und Rechte mussten in den folgenden Jahren verkauft werden. Mit Johann II. von Maggenberg taucht 1363 letztmals ein männlicher Familienangehöriger in einer Urkunde auf. Obwohl auch er mehrfach zum Schultheissen gewählt wurde, verarmte die Familie nun zusehends. Sein Sohn Johann III. starb kinderlos, zwei andere Söhne wurden Geistliche.
1371 bestätigte Landgraf Rudolf von Nidau den Übergang der Herrschaft Maggenberg an die Familie Velga. Nach dieser war ab 1379 Johann von Wippingen Herr über Ober-Maggenberg. Ob die Burg damals noch ständig bewohnt wurde, ist nicht klar. Eine Chronik aus dem 15. Jhdt. behauptet, dass sie als Stützpunkt Habsburgs 1387, im Jahr nach der Schlacht von Sempach, durch Berner Truppen zerstört wurde. Offenbar wurde aber zumindest ein Teil der Anlage wieder hergerichtet, denn 1398 ist ein Mann namnes Peter als Bewohner von Ober-Maggenberg bezeugt. 1408 wurde die Burg durch die Stadt Freiburg an Richard von Umbertschenni veräussert, der sich fortan «von Maggenberg» nannte. Sein Sohn Hensli verkaufte die Anlage 1439 dem Freiburger Spital. Es ist deshalb denkbar, dass die Burg erst 1448 im Kleinkrieg zwischen Bern und Freiburg endgültig zerstört wurde.

Ober-Maggenberg wurde in den folgenden Jahrhunderten dem Zerfall überlassen, von Schatzgräbern heimgesucht und immer wieder als Steinbruch ausgebeutet. Da auch im Zwischengraben Steine gebrochen wurden, drohte schliesslich der Bergfried einzubrechen. Dies konnte durch den Verein für Heimatkunde des Sensebezirks verhindert werden, der die Ruine 1927 für 100 Franken erwarb und sich seither um ihre Erhaltung kümmert. Der Bergfried wurde 1951/52 erstmals gesichert, wobei man manche Partien neu aufmauern musste. Die jüngsten Sanierungsarbeiten fanden 1993/94 statt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 187
  • Boschung, Moritz - Die Maggenberger und ihre Burgen | Freiburg i.Ü., o.J.
  • Boschung, Peter - Die Ritter von Maggenberg | Freiburg i.Ü., 1982
  • Büchi, Albert - Die Ritter von Maggenberg | In: Freiburger Geschichtsblätter, Bd. 15 | Freiburg i.Ü., 1908 | S. 71-133
  • De Vevey, Bernard - Châteaux et maisons fortes du Canton de Fribourg [Archives de la société d'histoire du Canton de Fribourg, Tome XXIV] | Freiburg i.Ü., 1978 | S. 229-236
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 41-43
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 9: Kantone Bern und Freiburg | Zürich, 1983 | S. 86
  • Reiners, Heribert - Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, I. Teil | Basel, 1937 | S. 108-112
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